Laufzeit: 01.09.2010 - 31.08.2013
Sozial-ökologische Bedingungen von Bevölkerungsbewegungen (MICLE)
Ausgangssituation
Über den Zusammenhang von Klimawandel, Umweltveränderungen und Migration gibt es bisher nur wenig empirisch gesicherte Erkenntnisse. Ein Grund für Migration ist die Verschlechterung der Lebensgrundlagen, die sowohl von funktionierenden Versorgungssystemen als auch von intakten Ökosystemen abhängig sind. Insbesondere in Afrika werden die Bedingungen durch ein starkes Bevölkerungswachstum, ökonomische Ungleichheit und fehlende finanzielle und institutionelle Anpassungskapazitäten verschärft. Die Entscheidung der Betroffenen zu migrieren ist somit nicht nur von ökologischen, sondern auch von ökonomischen, sozialen und politischen Faktoren geprägt. Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, müssen Politik und Gesellschaft neue angemessene Handlungsstrategien entwickeln. Dazu ist es nötig, das vorhandene naturwissenschaftliche Wissen über die zu erwartenden klimainduzierten Umweltveränderungen mit neuen sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Migrationsursachen und -muster zu verbinden.
Ziele
Im Verbundprojekt "micle" wird am Beispiel der benachbarten Sahelländer Mali und Senegal untersucht, unter welchen sozial-ökologischen Bedingungen Migrationsprozesse stattfinden.
Zunächst soll ein besseres Verständnis für die komplexen Wechselbeziehungen zwischen klimabedingten Umweltveränderungen und Bevölkerungsbewegungen entwickelt werden. Dafür werden Migranten und Migrantinnen in Herkunftsgebieten und ausgewählten Zielgebieten empirisch befragt. Zentral ist dabei, wie die Betroffenen Umweltveränderungen vor ihrem jeweiligen sozialen, kulturellen und biographischen Hintergrund wahrnehmen und bewerten. Es sollen Erkenntnisse gewonnen werden, welche Bevölkerungsgruppen aus welchen Gründen wann migrieren (oder nicht migrieren) und welchen direkten oder indirekten Einfluss Umweltveränderungen auf die Migrationsentscheidungen haben.
Ergänzt werden diese Ansätze durch demographische Daten über Migration in Senegal und Mali, besonders in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bildungsstand. So kann die soziale Verwundbarkeit (Vulnerability) der Bevölkerung genauer erfasst werden.
Entscheidend im Projekt ist, dass die gewonnen sozialwissenschaftlichen Ergebnisse mit naturräumlichen Erkenntnissen verknüpft werden. Dazu werden bestehende Daten der Fernerkundung ausgewertet und um eigene Untersuchungen ergänzt. Im Fokus stehen die Erhebung und Analyse klimabedingter Umweltveränderungen in ausgewählten Beispielgebieten in Senegal und Mali unter besonderer Berücksichtigung der Landdegradation, die für Landwirtschaft und Ernährungssicherung besonders starke Auswirkungen hat.
Schließlich soll durch den sukzessiven Aufbau eines Modells über die wesentlichen Wirkungszusammenhänge und ihre inhärenten Unsicherheiten eine übertragbare Methode entwickelt werden, mit der die naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse verknüpft werden können. Auf dieser Basis sollen Prognosen und Szenarien ermöglicht werden.
Praktisches Ziel ist es, eine Brücke zwischen wissenschaftlichem Wissen und gesellschaftlichem Handeln zu schlagen. Handlungsempfehlungen für Politik und andere relevante Akteure sollen helfen, lokal angepasste Lösungsansätze zu entwickeln, um unfreiwillige Migration zu verhindern bzw. um Migration als Anpassungsstrategie zu fördern. Darüber hinaus werden die zentralen Projektergebnisse einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht. Dadurch sollen wesentliche Impulse für den Diskurs über den Zusammenhang von klimainduzierten Umweltveränderungen und Migration gegeben werden.
Projektkoordination
PD Dr. Diana Hummel
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt am Main
Tel.: +49 - (0)69 - 707 69 19 33
Fax: +49 - (0)69 - 707 69 19 11
E-Mail: hummel[at]isoe.de
http://www.isoe.de
Projekt-Homepage: http://www.micle-project.net
Kooperationspartner
Universität Bayreuth, Zentrum für Naturrisiken und Entwicklung, Lehrstuhl für Bevölkerungs- und Sozialgeographie (Dr. Martin Doevenspeck)
Universität Wien, Institut für Geographie und Regionalforschung (Prof. Cyrus Samimi)
International Institute for Applied System Analysis (IIASA), Laxenburg (Prof. Wolfgang Lutz)
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(URL: http://www.micle-project.net)