Laufzeit: 01.10.2008 - 31.03.2010
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit seinen möglichen negativen Folgen für Mensch und Umwelt ist ein hochaktuelles und kontrovers diskutiertes Thema. Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen dabei Chemikalien, die auf das Hormonsystem von Menschen und Tieren wirken. Ihr Eintrag in die Umwelt kann zu einem systemischen Risiko für Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung, die menschliche Gesundheit und Ökosysteme führen. Das Projekt entwickelt zusammen mit Praxisexperten Handlungsstrategien für einen vorsorgenden Umgang mit dieser Stoffproblematik, die eine rein staatliche Regulierung sinnvoll ergänzen.
Ausgangslage
Für ein hohes landwirtschaftliches Ertragsniveau ist ein Mindesteinsatz von Chemikalien zum Tier- und Pflanzenschutz unverzichtbar. Dem gesellschaftlichen Interesse am Einsatz von Agrarchemikalien stehen aber mögliche Gefährdungen von Mensch und Umwelt gegenüber. Chemikalien, die auf das Hormonsystem von Lebewesen wirken können, werden dabei besonders kritisch diskutiert. Neuere Forschungsergebnisse erhärten beispielsweise den Verdacht, dass das vermehrte Auftreten hormonell wirksamer Chemikalien in der Umwelt und die beobachtete Zunahme von charakteristischen Störungen im Fortpflanzungs-, Nerven- und Immunsystem von Mensch und Tier zusammenhängen.
Welche Risiken für Mensch und Umwelt tatsächlich bestehen, lässt sich wissenschaftlich heute jedoch kaum sicher abschätzen. So sind Lebewesen in ihrer Umwelt einem ganzen Cocktail von Chemikalien ausgesetzt. Nach heutigem Wissensstand können sich negative Effekte - wie eben Störungen des Hormonsystems - dabei aufsummieren. Wie solche Gemischwirkungen in der Risikoabschätzung berücksichtigt werden können, ist derzeit noch unklar. Angesichts dieser unsicheren Wissensbasis wird eine Güterabwägung im Zweifelsfall abhängig von den Bedürfnissen, Interessen und Wertvorstellungen der unterschiedlichen Anspruchsgruppen. Starre Regelwerke können diese sich ständig wandelnde, Konflikt beladene Situation aber kaum angemessen auflösen.
Projektbeschreibung
Kooperative Handlungsstrategien können dagegen die Vorsorge im Umgang mit hormonell wirksamen Agrarchemikalien entscheidend stärken. Damit ein solcher Ansatz erfolgreich sein kann, müssen den beteiligten gesellschaftlichen Akteuren jeweils eigene, wirksame Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. In start2 werden dazu die Handlungsfelder "Wirkstoffentwicklung", "Umgang mit Agrarchemikalien" und "Technisches Emissionsmanagement" untersucht. Befragungen von Landwirtinnen und Landwirten zu ihren Erfahrungen im betrieblichen Umgang mit Agrarchemikalien und den derzeit gültigen rechtlichen Regelungen sowie Expertendialoge zwischen Vertreterinnen und Vertretern der landwirtschaftlichen Praxis, Beratung und Verwaltung, der chemischen Industrie, der Wasserwirtschaft, der Umwelt- und Verbraucherverbände und relevanter Behörden sichern die Praxisrelevanz der Ergebnisse.
Mit diesem Ansatz schließt das Projekt direkt an die Ergebnisse des Vorgängervorhabens start ("Strategien zum Umgang mit Arzneimittelwirkstoffen im Trinkwasser") an. Dessen Ergebnisse haben verdeutlicht, dass ein systemischer Blick auf sozial-ökologische Probleme zu besseren Lösungsansätzen für die Gesellschaft führen kann.
Homepage des Projekts: www.start-project.de
Dr. Florian Keil
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) GmbH
Hamburger Alle 45
D-60486 Frankfurt
Tel: +49(069)7076919-39
Fax: +49(069)7076919-11
E-mail: keil[at]isoe.de
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[PDF - 316,2 kB]

(URL: http://www.sozial-oekologische-forschung.org/_media/Flyer_start_2.pdf)
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