Laufzeit: 01.04.2009 - 30.09.2010
Das Projekt zielt darauf, Erkenntnisse über die Erzeugung von kontroversem Wissen zu gewinnen und neue Wege der politischen Entscheidungsfindung zu risikopolitischen Fragestellungen zu erproben. Das Instrument der "Risikokartierung" wird dazu genutzt, beteiligungsorientierte Prozesse der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung zu unterstützen. So soll Risikowissen unterschiedlicher Art und Herkunft (Experten- wie Laienwissen, das Wissen von Entscheidern wie Risikomanagern in Politik und Industrie)am Beispiel von Nahrungsergänzungsmitteln und nanoskaligen Materialien gesammelt, aufeinander bezogen und weiter entwickelt werden.

Ausgangslage
Faktische und vermutete Gefährdungslagen wie nanoskalige Materialien und Nahrungsergänzungsmittel öffnen weite Räume von öffentlichen und (sub-) politischen Risikodebatten. Sie lassen unübersichtliche Arenen aus Expertisen, Gegenexpertisen und medialen Darstellungen entstehen, die für alle gesellschaftlichen Akteure durch ihre Komplexität und Dynamik immer schwerer zugänglich werden. Mit dem forschungsleitenden Stichwort "systemische Risiken" wird vor allem auf die Dynamik und Wandlungsfähigkeit dieser Risiken aufmerksam gemacht, die ein verändertes Risikomanagement erfordern: Durch die partizipative Kartierung von Risikodiskursen soll im Rahmen des Projektes eine stärker integrative Risikobetrachtung ermöglicht werden.
Projektziel
Ziel des Vorhabens ist damit zum einen die Erprobung des in einem Vorläuferprojekt entwickelten Prototypen der internetbasierten Risikokartierung in beteiligungsorientierten Prozessen der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung (Stichwort: "experimentelle Demokratie"). Zum anderen sollen mit Hilfe des Tools und der Analyse der partizipativen Prozesse Aussagen über die Genese von Wissen, über die Entstehung von Wissensordnungen und über Wissensdynamiken gemacht werden.
Zunächst bedarf es einer Weiterentwicklung und Öffnung des bestehenden Prototyps der Risikokartierung aus dem Vorläuferprojekt, hin zu einem benutzerfreundlichen, beteiligungsorientiertem Tool der Wissensgenerierung und Visualisierung von Risikodiskursen. Im nächsten Schritt werden zu beiden untersuchten Fallstudien (nanoskalige Materialien sowie Nahrungsergänzungsmittel) je drei Workshops mit beteiligten Akteursgruppen (Experten, politische Entscheider/-innen, Vertreter/-innen der Wirtschaft, NGOs , Verbraucher/-innen) durchgeführt, um weitere Erkenntnisse zur individuellen und kollektiven Genese von risikorelevantem Wissen zu gewinnen. In einem abschließenden vierten Syntheseworkshop werden die Perspektiven der unterschiedlichen Akteursgruppen zu jeder Fallstudie zusammen geführt. Die dabei entstandenen Visualisierungen sowie der mit ihnen verbundene Entstehungsprozess werden mit Blick auf unterschiedliche Wissensordnungen untersucht.
Zusammenarbeit mit dem internationalen Netzwerk "MApping COntroversies in Science and technology for POlitics - MACOSPOL", einer Forschungsinitiative von Prof. Bruno Latour (Sciences Po, Paris; http://www.demoscience.org/).
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(URL: http://www.risk-cartography.org)